Pedalsensor oder Gasgriff PDF Drucken E-Mail

Dies ist eine der komplexesten Fragen der ganzen Pedelec-Geschichte

Grundsätzlich ist ja, um in der EU (sowie der Schweiz) auf öffentlichen Strassen legal Pedelec-fahren zu können, ein Pedalsensor immer erforderlich (Ausnahme: Österreich), da der Motor ja nur dann Leistung abgeben darf, wenn pedaliert wird. (Ausnahme: Anfahrhilfe bis 6km/h).

Ein Gasgriff hingegen ist nicht zwingend erforderlich - er ist allerdings entgegen hartnäckigen Gerüchten auch nicht verboten. Verboten ist es (in den meisten Ländern jedenfalls) lediglich, mit einem Zulassungs- und Anmelde-freien Elektrofahrrad (=Pedelec) ohne Pedalieren Leistung vom Motor abrufen zu können. 

Dh bei so einem Fahrzeug, muss auch bei Vollgas am Gasgriff, bei Nicht-Pedalieren, der Motor auf 6km/h zurückfallen (Anfahrhilfe), oder ganz ausschalten (bei Systemen ohne Anfahrhilfe). 

 

Es hat sich als praktisch erwiesen, 2 grundsätzlich verschiedene Pedelec-Systeme zu unterscheiden: Pedalsensor-geführte, und Gasgriff-geführte.

Bei einem Pedalsensor-geführten System gibt der Motor grundsätzlich Leistung ab, die in irgendeinem Zusammenhang damit steht, wie stark (Drehmoment) oder wie schnell (Kadenz) man pedaliert.

Die wichtigsten Strategien sind hier: Drehmoment-Steuerung (patentiert, daher oft in teuren Systemen), und Kadenz-Steuerung (üblich in Selbstbau-Systemen), aber auch reine Aus-Einschalt-Systeme. Wenn es zusätzlich einen Gasgriff gibt, so dient der nur zur Anfahrhilfe (in pedelec-legalen Systemen).

Vorteile:

  • Fahrer kann einfach treten ohne den Gasgriff bedienen zu müssen (Ausnahme: Anfahrhilfe)
  • durch unbeabsichtigtes Betätigen des Gasgriffes kann nur geringe Geschwindigkeit erreicht werden (zb bei Fehlbedienung)

Nachteile:

  • höherer Stromverbrauch (ähnlich Automatikgetriebe gegenüber manuellem Getriebe beim Auto)
  • Abstimmung auf individuelle Bedürfnisse kaum möglich
  • Für Menschen mit Behinderungen (zb auch gebrochenen Gliedmassen/Gipsbeinen) meist keine sinnvolle Lösung möglich
  • "Kavalierstart" ohne kräftiges Pedalieren nicht möglich
  • in kritischen Situation (Split, Schnee, Eis) nicht so gut steuerbar wie gasgriff-geführte Systeme
  • durch die oft lange Einschalt- und Ausschaltzeit des Systems muss fast immer mit abschaltenden Bremsen gearbeitet werden, was die Koplexität des Systems zusätzlich erhöht.
  • Die Erreichung einer bestimmten gewünschten "Höchstgeschwindigkeit" kann oft nicht garantiert werden, da sie ja von der Kadenz ua abhängt. 

Die meisten im Handel befindlichen legalen Pedelec-Systeme sind pedalsensor-geführt, so auch unser Standard-Pedelec-System (1-stufig kadenzgesteuert, dh je schnelle pedaliert wird, umso mehr steuert der Motor dazu), aber auch das 3-Stufen-System des Controller-Panel-Systems, bei dem der Grad der Unterstützung gewählt werden kann.

Andere pedalsensor-geführte Systeme bieten mittlerweile bis zu 10 einstellbare Stufen und mehr. Wir meinen, dass die Sinnhaftigkeit dieser Lösungen beschränkt ist, da das herumfummeln am Panel dadurch noch mehr Konzentration erfordert, ohne an der systemischen Schwäche von pedalsensor-geführten Systemen zu kratzen: Es ist nun mal mit noch so vielen Unterstützungsstufen für das System unmöglich zu erkennen, welche Art von Unterstützung der Benutzer in welcher Situation genau möchte. Viele Benutzer berichten hier von "Intransparenz", oder "das Ding macht einfach nicht was ich will".

Dazu kommt, dass die meisten Systeme "geschwindigkeitsbasiert" in dem Sinn arbeiten, dass sie dem Motor einfach über die Spannungsvorgabe eine bestimmte Soll-Geschwindigkeit vorgeben (und nicht etwa über die Rückmeldung von Motor oder Tacho diese Geschwindigkeit überwachen). Diese Geschwindigkeit gilt aber dann nur in der Ebene, sodass bei jeder Steigung einerseits die Unterstützung erheblich zurückfällt (weil der Motor bei derselben Spannung erheblich langsamer dreht), andererseits fällt meist auch die Tretkadenz zurück, was zur Folge hat, dass die Unterstützung gleich aus 2 Gründen abfällt, womit sich beim Bergfahren immer die Notwendigkeit ergibt, die Unterstüzung zu erhöhen und den Gang zurückzuschalten - was in kritischen Situationen nicht unaufwändig sein kann.  

Besser wäre hier eine Leistungssteuerung, die aber technisch aufwändig ist, oder eine Drehmomentsteuerung, die den Nachteil hat, dass alle bekannten funktionieren Systeme bis ins letzte Eck durchpatentiert sind, sodass es schlicht nicht möglich ist, sie als Selbstbausatz zu kaufen.

Eine Klarstellung noch, da dies oft von uns gewünscht wird: In einem pedalsensor-geführten System kann es, prinzipbedingt, keine "Tempomatfunktion" (Tempohaltefunktion) geben, da ja die Geschwindigkeit oder Motorleistung in einem Zusammenhang mit dem Pedalieren steht. Ein "Einfrieren" der Unterstützung würde ja dieses Prinzip verletzen. Wenn Sie also eine Tempomatfunktion wünschen, müssen Sie auch ein gasgriff-geführtes System umsteigen.

 

Bei einem (in den meisten EU-Ländern) nicht-Pedelec-legalen einfachen Gasgriff-geführten System (manchmal auch "Mofa-Modus" genannt) bestimmt der Gasgriff einfach den Grad der Unterstützung. Pedalsensor ist keiner vorhanden, oder er kann vom Gasgriff übersteuert werden. 

 

Bei einem pedelec-legalen Gasgriff-geführten System gibt der Motor zwar nur Leistung ab wenn pedaliert wird, die Steuerung der erwünschten abgegeben Leistung erfolgt jedoch in weiten Grenzen in erster Linie über den Gasgriff.

Vorteile:

  • geringerer Stromverbrauch, da die erwünschte Leistungsmenge optimal geregelt werden kann
  • gute Abstimmung auf indivuelle Fahrbedürfnisse
  • im Zusammenspiel mit einer guten, kräftigen Anfahrhilfe auch für Behinderte oft eine gute Lösung.
  • in kritischen Situationen kann durch gefühlvolle Steuerung oft eine hohe Sicherheit erreicht werden, ua bei Split, Eis und Schnee, und hier wieder insb. im Zusammenspiel mit Vorderrad-Motoren ("Allrad-Antrieb")
  • Tempomatfunktion möglich
  • Abschaltende Bremsen sind wegen der sehr direkten Reaktion des Motors auf den Gagriff oft für den praktischen Betrieb entbehrlich.
  • Bei Vollgas erreicht der Motor sicher seine "native" Höchstgeschwindigkeit gemäss Akku-Spannung. Für Leute die sich viele Gedanken machen wie schnell sie genau fahren wollen, eine wichtige Sache.
Nachteile:
  • Fehlbedienung kann relativ leicht zu "Vollgas" führen - deshalb wird dieses System nur für Erwachsene empfohlen, und auch nur für Fahrräder, die von immer derselben Person gefahren werden. 

Unser Multi-Modus-Controller ist ein aufwändiger Versuch, ein pedelec-legales Gasgriff-geführtes System zu implementieren, das optimalen Komfort und Sicherheit bietet.

Der wesentliche Unterschied zu allen anderen uns bekannten Systemen besteht in der Empfindlichkeit der Treterkennung: Bei einer 5-Magnet-Scheibe wird nach ca 1/4-Drehung bereits das Pedalieren zuverlässig erkannt, bei einer 8-Magnet-Scheibe (die allerdings präziser montiert werden muss) ist die Erkennung noch besser.

Diese hochempfindliche Treterkennung bewirkt, dass, insb. in Kombination mit der verfügbaren Anfahrhilfe (die mit nahezu 14A, also voller Leistung arbeitet) vom Stillstand weg, ohne Zurückschalten auf einen kleinen Gang, ohne wesentlichen Krafteinsatz mit voller Beschleunigung weggefahren werden kann. Man kann sich also beim Entkommen aus gefährlichen Situationen (zb Kreuzung) voll aufs Mittreten konzentrieren, während der Motor noch zusätzlich mit voller Power unterstützt. Dies verstehen wir nicht nur als Komfort, sondern auch als ein weiteres Sicherheits-Merkmal: man braucht sich mit dem Thema "Schalten" oder "Unterstützungsstufe wählen" nicht auseinanderzusetzen, der Schalthebel bleibt wo er gerade ist, man gibt einfach Vollgas und tritt hinein "was geht".

(Die uns bekannten Pedelec-Systeme, auch sehr teure Systeme, benötigen zur Pedaliererkennung einen wesentlich höheren Kraftaufwand, und/oder einen wesentlich längeren Pedalweg - bis zu einer ganzen Umdrehung und mehr. Daher ist vor allem der Anfahrvorgang, insb. am Berg und/oder insb. für Menschen mit Behinderungen, oft ein grosses Problem.) 

Ein kritischer Punkt des MMC-Systems wurde auch schon angesprochen - Selbstauslösung: Wird der Gashebel betätigt und gleichzeitig irrtümlich eine kleine Pedalbewegung ausgelöst, geht das System zügig auf volle Leistung - ein persönliches Sicherheitskonzept ist daher wichtig, so sollten zb Kinder von solchen Pedelecs im eingeschalteten Zustand ferngehalten werden. Auch ist ein Daumenregler gegenüber einem Drehgriffregler wegen der schwierigeren Selbstauslösung oft zu bevorzugen. Ein weiteres Sicherheitsfeature: Die eingebaute Tempohaltefunktion wirft aus Sicherheitsgründen beim Zurückschalten auf "Leerlauf" sofort ab - ansonsten wäre bei aktivierter Funktion bei Selbstauslösung unmittelbar nach einer Fahrt ja sogar ein unbeabsichtigtes Dauervollgas möglich.

 

Welches System ist besser für mich?

Letztlich können die Entscheidung, welches System für Sie besser ist, nur Sie selbst treffen: wir empfehlen pedalsensor-geführte Systeme Menschen, denen die Vorstellung, einen Gashebel zu betätigen, unangenehm ist, die quasi ein "Rundum-sorglos" Paket möchten, ohne sich um Steuerung und solche Dinge den Kopf zerbrechen zu müssen. Dabei gibt es noch im wesentlichen die Option, nur eine oder 3 Unterstützungsstufen zur Auswahl zu haben.

Menschen, die auch planen, im Winter und auf schlechten Strassen unterwegs zu sein, dh in kritischen Situationen die volle Kontrolle über ihr Fahrzeug möchten, und dafür bereit sind, sich mehr mit dem Thema Steuerung auseinanderzusetzen, empfehlen wir, einen Blick insb auf den MMC zu werfen.

Falls Sie unsicher sind, helfen Ihnen auch gerne bei der Entscheidungsfindung - per mail oder falls gewünscht, auch gerne bei einem Telefongespräch. Auch ein Umstieg von einem auf das andere System ist möglich.